Gerichte

Kirchliche Konsistorien

Bis zur Regulierung der Bistümer unter Joseph II. unterstand ein Großteil der Pfarren im Erzherzogtum Österreich unter der Enns entweder der Diözese Wien (ab 1722 Erzdiözese) oder der Diözese Passau. Nur einige wenige Pfarren gehörten zu anderen Diözesen, u.a. zu der Erzdiözese Salzburg, dem Bistum Wiener Neustadt und der Diözese Raab [Győr].

Aufgrund ihrer räumlichen Ausdehnung war die Diözese Passau seit dem 14. Jahrhundert in zwei Verwaltungseinheiten aufgeteilt. Viele der Pfarren des Erzherzogtums Österreich unter der Enns – von der Ybbs im Westen bis zur Piesting im Süden – gehörten zum Ostteil der Diözese Passau. Als Unteres Offizialat bezeichnet wurde der Ostteil von einem eigenen Offizial verwaltet, der alle bischöflichen Funktionen einschließlich der Gerichtsbarkeit ausübte.

Die Ehegerichtspraxis bis 1783 untersuchte das Forschungsteam des ersten Forschungsprojekts auf der Basis der Protokollbücher des Konsistoriums des Unteren Offizialats der Diözese Passau (künftig als UO Passauer Konsistorium abgekürzt) und der (Erz-)Diözese Wien. Die Protokollbücher beider Konsistorien werden heute im Diözesanarchiv Wien verwahrt.

Weltliche Gerichte

Die Quellenbasis für die Praxis der weltlichen Ehegerichte zwischen 1783 und 1850 bilden einerseits die Zivilgerichtsakten des Wiener Stadtmagistrats. Diese befinden sich im Wiener Stadt- und Landesarchiv und dokumentieren die Scheidungen von Ehepaaren, die ihren Wohnsitz in der Inneren Stadt oder in einer der zwischen Glacis und Linienwall (dem heutigen Gürtel) liegenden Vorstädte hatten.

Um den Blick auch auf Kleinstädte und ländliche Regionen zu erweitern, sichteten wir im zweiten Forschungsprojekt andererseits zudem die Magistratsprotokolle und überlieferten Akten von vier landesfürstlichen Märkten bzw. Städten: Eggenburg, Langenlois, Perchtoldsdorf und Tulln. Diese Quellenbestände befinden sich teilweise in den jeweiligen Markt- bzw. Stadtarchiven, teilweise auch im Niederösterreichischen Landesarchiv.

Die Scheidungsverfahren von Ehepaaren, welche in Dörfern und „zerstreuten Häusern“ lebten, erhoben wir für zwei Herrschaften: der adeligen Herrschaft Sitzenberg und der geistlichen Herrschaft Seitenstetten. Die Scheidungsakten beider Herrschaften befinden sich im Niederösterreichischen Landesarchiv.

Katholische Ehegerichte

Die Analyse der Eheverfahren zwischen 1857 und 1867 basiert auf den erhaltenen Gerichtsakten des Ehegerichts der Erzdiözese Wien und des Ehegerichts der Diözese St. Pölten. Die Aktendossiers des fürsterzbischöflichen Ehegerichts Wien werden heute im Wiener Diözesanarchiv aufbewahrt, die Akten des St. Pöltner Ehegerichts befinden sich im Diözesanarchiv St. Pölten.

Andrea Griesebner/Georg Tschannett, 2016
Letztes Update: Andrea Griesebner, 1. Februar 2019
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Zitation: Andrea Griesebner und Georg Tschannett, Gerichte » Einstieg » Projekt, in: Webportal. Ehen vor Gericht 3.0, 2022, <http://ehenvorgericht.univie.ac.at/?page_id=7943>. [Zugriffsdatum: 2022-10-02]