Herrschaften

1. Gerichte
2. Quellen
3. Zeitsegmente

1. Gerichte

Die Eheverfahren all jener Einwohner*innen des Erzherzogtums Österreich unter der Enns, welche in einer der vielen Herrschaften lebten, sind noch schwieriger zu erforschen, weil die Herrschaftsarchive, sofern sie sich überhaupt im Niederösterreichischen Landesarchiv befinden, (noch) nicht systematisch verzeichnet sind. Die Suche nach Eheverfahren erwies sich als eine Suche nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen.

2. Quellen

Sofern erhalten, befinden sich die Akten der Scheidungsverfahren heute in den mit Judicialakten ausgewiesenen Kartons der Kreisgerichte. Da wir nicht hunderte Kartons selbst durchsehen konnten, entschieden wir, die Erhebung auf jene Eheverfahren zu begrenzen, welche im Frühjahr 2016 über die Finddatenbank des Niederösterreichischen Landesarchivs eruiert werden konnten. Die „Treffer“ in der Datenbank waren auf zwei Herrschaft, Seitenstetten und Sitzenberg, begrenzt. Beide Herrschaften liegen westlich von Wien und gehören seit der Abschaffung der Patrimonialgerichtsbarkeit und der anschließenden Neustrukturierung der Gerichte 1850 zum Kreisgericht St. Pölten.

SITZENBERG

Die über die Datenbank des Niederösterreichischen Landesarchivs eruierten Eheverfahren der weltlichen Herrschaft Sitzenberg dokumentieren Eheverfahren aus den Jahren 1822 bis 1846. Die Akten der Scheidungsverfahren befinden sich heute im Bestand Kreisgericht St. Pölten 159. Karton 1248 enthält die Scheidungsverfahren von fünf Ehepaaren. Die Aktendossiers sind chronologisch zwischen anderen Akten der Herrschaft Sitzenberg eingeordnet.
Nach Franz Xaver Schweickhardt war die Herrschaft Sitzenberg um 1838 Ortsobrigkeit für die Dörfer Sitzenberg (44 Häuser), Neustift (18 Häuser), Sichelbach (21 Häuser) und Thallern (20 Häuser), d.h. für insgesamt 103 Häuser und 121 Familien.

SEITENSTETTEN

Die in der Datenbank des Niederösterreichischen Landesarchivs verzeichneten Eheverfahren der geistlichen Herrschaft Seitenstetten betreffen den Zeitraum 1798 bis 1828. Die Eheverfahren befinden sich im Bestand des Kreisgerichtes St. Pölten 151. Karton 1182 enthält Akten zu 18 Eheverfahren, die in einen Faszikel mit dem Deckblatt: „Ehescheidungen resp. Vermögens-Theilung, Adoptionen und Kindes-Legitimation. 1806–1828″ eingeordnet sind.
Nach Franz Xaver Schweickhardt war die Stiftsherrschaft Seitenstetten um 1836 Ortsobrigkeit für insgesamt 692 Häuser und 954 Familien, die in den Dörfern Biberbach (26 Häuser), St. Michael (185 Häuser) und Seitenstetten (195 Häuser) sowie Jedersdorf (193 zerstreut liegende Häuser), im Markt Seitenstetten (80 Häuser) und im Ort Sonntagberg (13 Häuser) lebten.

3. Zeitsegmente

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die untersuchten Zeiträume, die Anzahl der erhobenen Verfahren und die Anzahl der involvierten Ehepaare.

Verwendete Literatur

Franz Xaver Schweickhardt, Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns […], Viertel Ober-Wienerwald. Bd. 4., Wien 1836, 93–97.
Franz Xaver Schweickhardt, Darstellung des Erzherzogthums Oesterreich unter der Enns […], Viertel Ober-Wienerwald. Bd. 12., Wien 1838, 3.

Andrea Griesebner | Margareth Lanzinger, 2016
Letztes Update Andrea Griesebner, 2020

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Zitation: Andrea Griesebner und Margareth Lanzinger und Evelyne Luef, Herrschaften » Einstieg » Datenerhebung » Weltliche Gerichte (1783–1850), in: Webportal. Ehen vor Gericht 3.0, 2022, <http://ehenvorgericht.univie.ac.at/?page_id=10474>. [Zugriffsdatum: 2022-12-06]