</nav></nav>{"id":219,"date":"2011-12-02T15:22:02","date_gmt":"2011-12-02T14:22:02","guid":{"rendered":"http:\/\/ehenvorgericht.wordpress.com\/?p=219"},"modified":"2017-10-12T13:47:17","modified_gmt":"2017-10-12T11:47:17","slug":"klugheitsregeln-die-zu-beobachten-sind-wenn-beyde-eheleute-zusammen-vor-gericht-zu-stehen-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/?p=219","title":{"rendered":"&#8222;Klugheitsregeln, die zu beobachten sind, wenn beyde Eheleute zusammen vor Gericht zu stehen kommen.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>In den sp\u00e4ten 1820er-Jahren ver\u00f6ffentlichte der Jurist Thomas Dolliner in der &#8222;Zeitschrift f\u00fcr \u00f6sterreichische Rechtsgelehrsamkeit&#8220; mehrere Beitr\u00e4ge \u00fcber bestimmte Aspekte gerichtlicher Ehetrennungsverfahren. 1848 &#8211; zu diesem Zeitpunkt war er bereits emeritierter &#8222;Professor des R\u00f6mischen Civil= und des Kirchenrechtes an der Wiener Universit\u00e4t&#8220; &#8211; versammelte er diese und publizierte das &#8222;Handbuch des \u00f6sterreichischen Eherechtes&#8220;.<\/p>\n<p>Nachdem der Eherichter die beiden Eheleute isoliert vernommen habe, r\u00e4t Thomas Dolliner dem Richter, die &#8222;beyden Eheleute zugleich vor sich kommen [zu] lassen&#8220;. F\u00fcr die gemeinsame Vernehmung von Ehefrau und Ehemann formulierte Thomas Dolliner folgende &#8222;Klugheitsregeln&#8220;:<\/p>\n<pre><em>1. Der Richter mu\u00df trachten, jeden Ausbruch der Leidenschaft im Keime zu ersticken, widrigens d\u00fcrfte er die Erfahrung machen, da\u00df die Eheleute, die sich gew\u00f6hnlich in einem sehr bewegten Gem\u00fcthszustande befinden, seine Ohren mit wechselseitigen Anklagen erm\u00fcden, sich mit Vorw\u00fcrfen aller Art \u00fcberhaufen, und zuletzt mit einander in ein unanst\u00e4ndiges Gez\u00e4nk und in eine solche Erbitterung gerathen werden, die ihnen alle F\u00e4higkeit benimmt, vern\u00fcnftige Vorstellungen anzuh\u00f6ren oder ihre Rechte geh\u00f6rig zu vertheidigen. Die ganze Tagsatzung kann dar\u00fcber fruchtlos ablaufen.\r\n<\/em><em>\r\n2. Er darf kein unanst\u00e4ndiges Betragen dulden, den streitenden Theilen jeden solchen Unfug mit Ernst und Nachdruck untersagen, und wenn dieses nicht hilft, die weitere Verhandlung auf einen anderen Tag verlegen.\r\n\r\n<\/em><em>3. Er selbst soll die Parteyen schonend behandeln, ihnen keine unn\u00fctzen Vorw\u00fcrfe machen, sich gegen sie keine beleidigenden Reden oder unschickliche Scherze erlauben, sie nicht mit rauhen Worten anfahren, sondern sie gelassen fragen und anh\u00f6ren, n\u00f6thigen Falles belehren, und ihrem oft undentlichen [sic] und unzusammenh\u00e4ngenden Vortrage, oder ihrer Unbeh\u00fclflichkeit in Darlegung der Beweismittel duch geh\u00f6rige Weisungen nachhelfen.<\/em><\/pre>\n<p>aus: Dolliner, Thomas: Handbuch des \u00f6sterreichischen Eherechtes, Bd. 3: Der \u00f6sterreichische Eheproce\u00df, Wien 1848, 120.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den sp\u00e4ten 1820er-Jahren ver\u00f6ffentlichte der Jurist Thomas Dolliner in der &#8222;Zeitschrift f\u00fcr \u00f6sterreichische Rechtsgelehrsamkeit&#8220; mehrere Beitr\u00e4ge \u00fcber bestimmte Aspekte gerichtlicher Ehetrennungsverfahren. 1848 &#8211; zu diesem Zeitpunkt war er bereits emeritierter &#8222;Professor des R\u00f6mischen Civil= und des Kirchenrechtes an der Wiener Universit\u00e4t&#8220; &#8211; versammelte er diese und publizierte das &#8222;Handbuch des \u00f6sterreichischen Eherechtes&#8220;. 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