{"id":1714,"date":"2016-04-22T08:00:59","date_gmt":"2016-04-22T06:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.univie.ac.at\/ehenvorgericht\/?p=1714"},"modified":"2017-10-12T12:13:41","modified_gmt":"2017-10-12T10:13:41","slug":"scheidungszahlen-in-wien-zwischen-1857-und-1865","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/?p=1714","title":{"rendered":"Scheidungszahlen in Wien zwischen 1857 und 1865"},"content":{"rendered":"<p>Karl Dworzak verfasste 1867 einen Erfahrungsbericht \u00fcber seine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Rat des f\u00fcrsterzbisch\u00f6flichen Ehegerichts in Wien. Von besonderem Interesse sind dabei seine statistischen Angaben zu den Wiener Scheidungszahlen. In den ersten acht Jahren der Zust\u00e4ndigkeit des kirchlichen\u00a0Ehegerichts z\u00e4hlt Dworzak\u00a02.100 Scheidungsklagen. Interessant ist,\u00a0dass er in der Ausdifferenzierung der Urteile keine Unterteilung zwischen lebensl\u00e4nglichen und\u00a0befristeten Scheidungen vornimmt:<\/p>\n<pre><em>Vom 1. J\u00e4nner 1857 bis gegen das Ende des Jahres 1865 wurden \u00fcber 2.100 Klagen auf Scheidung von Tisch und Bett bei dem f[\u00fcrst]e[rzbisch\u00f6flichen] Ehegericht eingebracht.<\/em>\r\n\r\n<em>Davon wurden bei 1.760 durch Haupturtheil, 230 durch Auss\u00f6hnung der Gegner, 122 durch Abweisung ohne Untersuchung, 5 durch Ableben Eines der Gegner w\u00e4hrend der Verhandlung erledigt.<\/em>\r\n\r\n<em>Aus den durch Urtheil erledigten Scheidungssachen wurden im Durchschnitte bei je hundert Urtheilen 66 Scheidungsgesuche bewilligt, 34 abgewiesen.<\/em>\r\n\r\n<em>Von 100 bewilligten Scheidungen wurden 58 aus alleinigem Verschulden des Gatten, 24 aus alleinigem Verschulden der Gattin, 18 aus beiderseitigem Verschulden bewilligt.<\/em>\r\n\r\n<em>Als Scheidungsgr\u00fcnde erscheinen bei hundert bewilligten Scheidungen siebzehnmal der Gatte, neunmal die Gattin des Ehebruches schuldig; in achtundsechzig F\u00e4llen erscheint Mi\u00dfhandlung oder gef\u00e4hrliche Bedrohung, in zweiundsiebzig empfindliche Kr\u00e4nkungen, in sechs F\u00e4llen b\u00f6swillige Verlassung, in dreizehn F\u00e4llen ansteckende Krankheiten, in neun F\u00e4llen Kerkerstrafe, in sechzehn F\u00e4llen Verschwendung, in etwa dreihundert Urtheilen einmal Verf\u00fchrung zu Lastern als Scheidungsgr\u00fcnde; selbstverst\u00e4ndlich erscheinen in den meisten Urtheilen mehrere Scheidungsgr\u00fcnde nebeneinander; in einem einzigen Falle war ein von einem Ehemanne an seiner Gattin mit Erfolg gemachter und mit mehrj\u00e4hrigem Kerker bestrafter Vergiftungsversuch die Ursache der Scheidung.<\/em>\r\n<em>Erw\u00e4hnenswert scheint noch, da\u00df aus hundert Ehepaaren, welche wegen Scheidung vor dem Ehegerichte standen, 35 bis 40 Perzent in kinderloser Ehe lebten.<\/em>\r\n<em>Auf 100 Urtheile entfallen 28 Appellationen; aus 100 appellirten Urtheilen wurden 8 in den h\u00f6heren Instanzen aufgehoben oder theilweise abge\u00e4ndert.\r\n\r\n<\/em>Karl Dworzak: Aus den Erfahrungen eines Untersuchungs-Richters in Ehestreitsachen, Wien 1867, S. 166f.<\/pre>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Dworzak verfasste 1867 einen Erfahrungsbericht \u00fcber seine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Rat des f\u00fcrsterzbisch\u00f6flichen Ehegerichts in Wien. Von besonderem Interesse sind dabei seine statistischen Angaben zu den Wiener Scheidungszahlen. In den ersten acht Jahren der Zust\u00e4ndigkeit des kirchlichen\u00a0Ehegerichts z\u00e4hlt Dworzak\u00a02.100 Scheidungsklagen. Interessant ist,\u00a0dass er in der Ausdifferenzierung der Urteile keine Unterteilung zwischen lebensl\u00e4nglichen und\u00a0befristeten Scheidungen &hellip; <a href=\"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/?p=1714\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Scheidungszahlen in Wien zwischen 1857 und 1865<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1714"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1714\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1731,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1714\/revisions\/1731"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ehenvorgericht.univie.ac.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}